
Klaus Curt Ilge verstorben
Einer der wenigen deutschen Fans, die Elvis viele Male getroffen haben und zudem fast schon ein freundschaftliches Verhältnis besand, war Claus-Kurt Ilge aus Friedberg. Der 1942 in Friedberg geborene Claus-Kurt wurde durch den amerikanischen Radiosender AFN Elvis-Fan. „Seine Stimme faszinierte mich sofort!“ Im September 1958 dann die Schlagzeile in der Wetterauser Zeitung: „Elvis Presley kommt nach Friedberg“. Er war 16, als Elvis schließlich in seiner Heimatstadt stationiert wurde und in Bad Nauheim wohnte. Da Claus-Kurt noch nicht in der Lehre war, hatte er viel Zeit und so verbrachte er diese ab 1959, als Elvis in das Haus in der Goethestraße gezogen war, fast täglich dort. Es hatte sich ein kleiner Club gebildet, der immer genau wusste, wann Elvis zu Hause war: „Meist fuhr er morgens um zehn vor sieben nach Friedberg, kam dann um halb zwölf, zwölf zurück, aß bei seiner Oma in der Goethestraße und fuhr um 13 Uhr wieder nach Friedberg. Um 17 Uhr kam er dann wieder von Friedberg zurück.“
Ilge wurde so was wie der „Verbindungsmann“ zwischen dem Star und den Fans und Elvis nannte ihn schlicht „The Boy from Friedberg” (Der Junge aus Friedberg). Sein Kontakt zu Elvis sprach sich herum. Ilge erhielt viele Anfragen vor allem Autogrammwünsche, die er bereitwillig erfüllte. Immer wieder ließ er sich von Elvis verschiedene Memorabilia unterschreiben. Elvis beschuldigte ihn irgendwann damit nur Geld machen zu wollen. Ilge rechtfertigte sich, dass er die Autogramme verschenke und sich nur Briefmarken für den Rückversand schicken ließ. Ilge selbst soll über 300 Autogramme in seiner Sammlung haben.
Eine Geschichte, die er immer wieder gern, auch medial erzählte, ist die, dass Elvis ihn im Auto mit nach Friedberg zurücknahm:
„Eines frühen Morgens schlich ich mich von daheim weg und fuhr mit dem Fahrrad die drei Kilometer von Friedberg nach Bad Nauheim. Ich wusste ja, um zehn vor sieben kommt er raus, und da war ich dann so keck und fragte ihn: "Would you be so kind to take me to Friedberg?" („Wärst du so nett, mich nach Friedberg mitzunehmen?“) Da sagte er: "Okay, come in." („Okay, steigt ein.“) Ich saß neben Elvis in seinem Mercedes 300 und wir hörten AFN. Als wir in Friedberg um die Burg herum fuhren, kam auf einmal sein neuer Tophit „One Night“ im Radio. Er machte das Radio leiser, wurde nachdenklich und fragte mich, ob ich noch Eltern hätte. Ich nehme an, dass er in diesem Moment an seine Mutter dachte, die am 14. August, sechs, sieben Wochen bevor er nach Deutschland kam, gestorben war. In Friedberg wollte ich dann aussteigen. Aber bis dahin war ich immer nur mit meinem Vater im VW gefahren, und die hatten damals noch richtige Türgriffe, noch nicht die Hakenöffner wie später in den sechziger Jahren. Ich saß also in Elvis’ Mercedes und bekam die Autotür nicht auf. Und da beugte sich der „King“ doch tatsächlich zu mir rüber und machte mir kleinem Fan die Tür auf!“
Als Elvis nach 17 Monaten Deutschland wieder verlassen wollte, stand Ilge mit weiteren Fans vor dem Haus aus dem man bereits die Kisten trug. Elvis kam auf ihn zu und bat ihn mit ins Haus zu kommen. Dort stand ein Kofferplattenspieler bereits verpackt. Wegen der verschiedenen Stromspannungsarten war es unsinnig die technischen Geräte mitzunehmen. Und so schenkte Elvis ihm den Plattenspieler und auf Nachfrage auch noch das Tonbandgerät. Vorsichtig schleppte er beide Geräte zu Fuß nach Friedberg.
Nach 62 Jahren wurde die Kaserne von der US-Armee am 28. September 2007 geschlossen und an die deutschen Behörden übergeben. Claus-Kurt Ilge wurde zum wertvollen Zeitzeugen und gleichzeitig zum Reiseführer, der Fans aus aller Welt mit Bussen durch die Ray Barracks führte.
Seit März 1982 gehörte Claus-Kurt Ilge auch der EPG an. Umso mehr freute es uns, dass er es sich, trotz seiner schweren Krankheit, nicht nehmen ließ noch an unserer diesjährigen Mitgliederversammlung am 2. Mai 2026 teilzunehmen. In der Nacht zum 29. Juni verstarb Claus-Kurt Ilge im Alter von 83 Jahren.
Sein unermüdlicher Einsatz für Elvis und seine lebendigen Erzählungen werden uns sehr fehlen und wir hoffen, dass es für ihn ein großes Wiedersehen mit Elvis gegeben hat.
R.I.P.
Quellen: Spiegel Online, diverse, Foto: Andreas Pendl

